An einen Dichter, tausend Jahre nach mir

(nach James Elroy Flecker, 1884-1915)

Ich, der tausend Jahre Tote,
der ich dieses süsse Lied ersann,
sende Dir mein Wort als Bote,
auf dem Weg, den ich nicht gehen kann.

Ob Du durch den wilden Himmel reitest
oder Brücken über alle Meere breitest,
frag ich nicht, und ob Du überall
Paläste baust aus Steinen und Metall.

Doch hast Du noch Musik und Wein im Krug,
und gibt es noch ein Mädchen, das Dich liebt?
Sind Gut und Böse Dir auch nie genug?
Und dankst Du dem, der uns das alles gibt?

Wie wird es uns gelingen? Wie ein Wind,
der abends weht, treibt uns die Phantasie.
Schon vor dreitausand Jahren fragte, blind,
der alte Maeonides: Wie?

O ungebor´ner Freund, noch nicht erwacht:
im süssen Englisch suchst Du Läuterung.
Lies laut mein Wort, alleine, in der Nacht.
(Ich war ein Dichter, ich war jung.)

Niemals werd ich deine Hände drücken.
Dein Gesicht – ich werd es niemals sehn.
Lass mich so Dir meine Seele schicken,
Dich zu grüssen. Du wirst mich verstehn.

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