Lesehilfe zu Adorno

Es stimmt nicht, Theodor,
dass Frühlingsbäume lügen
wenn man sie ohne Argwohn betrachtet.

Bäume lügen weder im Frühling
Wenn sie das saftige Leben versprechen,
noch im Herbst, wenn sie farbenprächtig
den dürren Tod verkünden.

Das Problem,  das ihr Intellektuellen
mit der Natur habt
und mit allem anderen
was Freude machen kann,
ist eure kleinmütige Angst
von einem Augenblick der Schönheit
korrumpiert zu werden.

Ein Moment der Behaglichkeit
ist noch kein Einverständnis
mit dem Unrecht dieser Welt.
Und ein geselliger Abend
noch kein Akzeptieren
des Unmenschlichen.

Ihr macht euch etwas vor
wenn ihr glaubt, jene,
deren Freuden ihr verschmäht
wollten mit euch
ihr Leid teilen.

Während ihr in unverbrüchlicher
Einsamkeit den konstanten Blick
auf das Grauen kultiviert,
haben jene, die sich
manchmal gehen lassen,
die Möglichkeit des Besseren entdeckt
und die Wahrheit der Bäume
zu allen vier Jahreszeiten
akzeptieren gelernt.

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