Auskünfte über London und Vaclav Nedsky

Von einem Kommentar überschwemmt, der um Auskunft über Vaclav Nedsky bat, möchte ich  folgende Erklärungen abgeben:  

London existiert. Ich kann es allerdings nicht beweisen. Ich war über ein Vierteljahrhundert nicht mehr dort, und seiner eigenen Erinnerung sollte man nicht ohne weiteres trauen. Dasselbe gilt übrigens für den Nordpol. Da war ich überhaupt noch nie. Vielleicht habe ich ihn aber auch vergessen, weil die Anreise so beschwerlich und der Anblick dann eher ernüchternd war und wir uns nur an Schönes erinnern.

Das MOTAL fristete lange eine kaum beachtete Existenz am Ostende meines Kleinhirns. Als ich es erfand, wurde es auf einen Schlag meinem Dutzend Blogleserinnen bekannt, und man musste die Eintrittspreise und die Öffnungszeiten festlegen.  
Vaclav Nedsky hat erfolgreich gegen Google prozessiert. Deshalb kennt ihn heute kaum noch jemand. Sein Werk lässt sich nicht besichtigen (ausser in vergriffenen Katalogen, von denen ab und zu einer bei Sotheby’s auftaucht und sofort von einem anonymen japanischen Bieter für eine unglaubliche Summe ersteigert wird. Alle andern im Saal hören sofort auf zu bieten, wenn er anruft. Es ist dann aussichtslos.

Daraus erklärt sich auch die Popularität von Ausstellungen mit Nedskys Werken. Man muss jeweils gleich hinfahren, um sie sich anzuschauen, weil sie sonst bereits wieder verschwunden sind. Man kann aber auch zu spät kommen, wenn man sich beeilt. Worüber man sich dann noch lange ärgert.

Diesmal trägt man sogar zum Verschwinden bei. Ein Grund mehr, weshalb man sich überlegen muss, ob man wirklich hinfahren will. Womöglich findet man ja im sprichwörtlichen Londoner Nebel das MOTAL nicht, und wenn es ganz dumm läuft, ist London samt Nebel, Sprichwörtern, Downing Street und Finanzplatz ein schlecht gehütetes Gerücht. Womöglich stammt die Stadt aus einem Zitat von Winston Churchill und hat mittlerweile 8 Millionen Einwohner, die, weil sie sonst nichts zu tun haben, jährlich mehr neue Londoner und Londonerinnen erfinden, als sie vergessen, weshalb die Stadt wächst und wächst und wächst und immer schwerer zu vergessen ist.

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