Archive for the ‘BLOG’ Category

Skizze zu Barcelona (Acryl auf Leinwand)

9. Januar 2011

Der Gewinner erhält eine Waschmaschine

7. Januar 2011

Dass sich Gödel am Ende seines Lebens vor Kühlschränken gefürchtet haben soll, leuchtet mir irgendwie ein. Was sind das für Geräte, in denen das Licht erst angeht, wenn man die Türe öffnet, während vorher alles, die Milch und der Käse, der Salat und die Butter, in gnadenloser Dunkelheit gefangen und von einem mehr oder weniger leisen Summen eingelullt seiner Verzehrung bei Zimmertemperatur harrt. In einem Film, den mir neulich ein Freund aus Berlin ganz ohne Hintergedanken geschickt hat, wird das Leben des Erfinders mehrerer TV-Shows in episodischen Rückblenden erzählt. Zum Teil sind es lustige Episoden, aber alles in allem bleibt der Eindruck eines traurigen, irgendwie verpfuschten Lebens haften, das in einem Hotelzimmer endet. Zu viele Drogen. Zu viele Missverständnisse. Zu wenig Liebe. Die Schlussszene des Films skizziert die letzte Idee für eine TV-Show. Drei alte Männer sitzen auf der Bühne. Jeder hat eine Knarre im Schoss und erzählt den Zuschauern von seinem missglückten Leben. Derjenige, der sich nicht umbringt, hat gewonnen und erhält als Preis eine Waschmaschine. Zuerst musste ich tatsächlich lachen. Wegen der Waschmaschine. Was für ein Preis. Aber wofür? Es kann ja nicht dafür sein, nicht verzweifelt zu sein. Wer in einer TV-Show mitmacht, in der sich die Konkurrenten erschiessen, ist entweder selber verzweifelt, hat den Verstand verloren oder zumindest jeglichen Rest menschlicher Würde. Wahrscheinlich alles zusammen. Verdient tatsächlich nichts mehr anderes als eine Waschmaschine. Der Host meines Blogs hat mir zum Jahresbeginn meine Statistik des vergangenen Jahrs unterbreitet. Eine Boeing 747, hat man mir in Erinnerung gerufen, könne 416 Passagiere befördern. Acht volle Boeing 747 hätten im abgelaufenen Jahr meinen Blog besucht. Mein Blog ist beeindruckt. Aber ich bin ganz ehrlich auch irgendwie besorgt. Acht volle Flugzeuge sind eine gewaltige Verantwortung. Ich verfüge nicht über Hangars, in denen diese Flugzeuge gewartet werden können. Sind sie wieder gut vom Boden weggekommen? Wohin sind sie jetzt unterwegs? Waren Anschlussflüge verfügbar für die Passagiere, genügend Hotelzimmer gebucht? Waren die Betten gemacht? Ging kein Gepäck verloren? Standen Freunde und Verwandte nach dem Zoll mit farbigen Blumen zur Begrüssung bereit? Musste lange auf ein Taxi gewartet werden? Und haben sie alle dann auch wirklich erhalten, was sie sich wünschten? Sind sie dort angekommen, wo sie hin wollten? Hat sie wenigstens jemand gefüttert, ihren iPod aufgeladen über Nacht? Ich befürchte, dass nicht alles rund gelaufen ist. Stimmt doch, oder? Wahrscheinlich hat das Licht im Kühlschrank einen Wackelkontakt und brennt nun oft auch bei geschlossener Türe. Treibt den Jogurt zum Wahnsinn. Und die Waschmaschine ist ausgelaufen. Eine undichte Dichtung, durch die zuerst Wahrheit in die Maschine drang und dann Spülwasser entwich. Kein Schongang für das Parkett. Aber wer kann sich schon Parkett leisten in der Waschküche. Wer kocht schon im Flugzeug. Schon gar nicht für 416 Personen. Das ist hier alles aufgewärmt. Ich hoffe, es schmeckt trotzdem. Und wünsche euch allen einen guten Flug durch’s Jahr. Boarding complete.

Annual Check-up (us and them)

25. Dezember 2010

Alle Werte seien gut

Sagt mir mein Arzt per SMS

Könnten besser nicht sein

Freunde schreiben aus Deutschland und vier

anderen Ländern: es geht ihnen gut.

Sie wünschen frohe Festtage
Merry Xmas schreibt mir

mein bester Freund the war is over

Aber der Krieg ist

nie vorbei.

Es gibt uns und es gibt

die anderen und diese anderen brauchen

unsere Hilfe.

We can’t be blessed forever (Acryl auf Leinwand)

10. Dezember 2010

Anlässlich eines Spendenaufrufs

9. Dezember 2010

Natürlich können wir weiterhin so tun als ob
wir nichts tun könnten aber einmal abgesehen davon
dass es nicht stimmt: macht uns das wirklich
glücklich oder wenigstens zufrieden?  

Gerade weil wir vom Leid anderer
hoffnungslos überfordert sind wäre es gut
hin und wieder Dinge zu tun die so klein
und bedeutungslos sind
dass sie uns und die Welt vielleicht
langsam zu verändern beginnen

Somewhere in the Jordan Valley

29. November 2010

Konservative Vorhersage für das Jahr 2020

23. November 2010

Wenn man in der Schweiz das Zeitfenster öffnet,
riecht es zunächst einmal schlecht.
Neapel hat ein Müllproblem das mittlerweile
über die Alpen stinkt.

Die Amerikaner ziehen sich immer noch
oder schon wieder aus Afghanistan zurück.
Wohin ist unklar.

Die Chinesen haben wegen den Bodenschätzen
Afrika annektiert und damit die westlichen
Entwicklungshelfer lahm gelegt.
Es gibt eine Resolution des Sicherheitsrates
die das Lahmlegen in aller Schärfe
verurteilt.

Halb Deutschland diskutiert am Rande des Castortransportes
den Wiederausstieg aus dem Wiedereinstieg.
Die andere Hälfte hofft, Schalke werde Meister.

Vier EU-Länder stehen vor dem Konkurs,
Belgien vor der Wiedervereinigung und die Schweiz
kurz vor der Einführung der Jammersteuer.
Sie wird die Mehrwertsteuer ersetzen.
Und die Erbschaftssteuer.

Ach ja und im Nahen Osten
bleiben höchstens noch sechs Monate.
Wofür, wird noch verhandelt. 

Wenn es sich nicht von selber schliesst,
macht man das Fenster jetzt besser
wieder zu.
Es ist gut isoliert.
Wie übrigens das ganze Haus.
Man muss überhaupt nicht mehr heizen.

Irgendwo im Sommer in der Schweiz

23. November 2010

Wir Schotten

10. November 2010

Wie Schatten gehen die Menschen einher. Sammeln und häufen an und wissen nicht, wer es einbringen wird. Oder hiess es Schotten und stand nicht in der Bibel sondern in einem Reiseprospekt? Und warum sollten sich die Schotten kümmern, wer es einbringen wird? Wie den Walisern blieb ihnen die Unabhängigkeit verwehrt. Dumpfe Laute im Hochmoor. Leise Verfluchungen in der Geheimsprache der Torfstecher. Weit voneinander entfernte Nachbarn, die sich erfolgreich aus dem gemeinsamen Weg gehen. Ein resignierender Nebel, der sich nicht tiefer senken kann, bis er das felsige Kliff erreicht hat. Immer weniger Fische. Vor der Küste wenn möglich Öl, das wieder den falschen Leuten gehören wird. Sonst Nieselregen, rauch- und gastfreie Pubs, verstaubte Dudelsäcke und das britische Pfund auf eigenem Papier. Wahrlich, ich sage euch, wie Schotten gehen wir Menschen einher. Bummeln und saufen ab und wissen nicht, wer uns heimbringen wird.

Mauer im Abendlicht (Öl auf Leinwand)

6. November 2010