Archive for the ‘BLOG’ Category

Irgendwo zwischen Wille und Wahnsinn

16. März 2011

Fische im Kofferraum

11. März 2011

(Zen oder die Kunst, auf sein Auto zu warten)

Ein guter Freund aus Berlin lässt seinen alten Mercedes in Polen bei Piotr warten. Nicht dieses – das andere Warten. Das mit der Wartung. Er hat ihn nicht dort abgestellt und „Sitz!“ gesagt zu ihm wie zu seinem alten Hund, damit dieser wartet, bis er wieder kommt und ihn abholt, weil seine Freundin, zu der er jeweils zieht für die paar Tage, in denen er mir jeden Mai liebenswürdigerweise seine kleine Wohnung neben dem Theater überlässt, keine Hunde in ihrer Wohnung will, vor allem keine alten, denen der Sabber auf den Nomadenteppich tropft.

Als er ihn wieder einmal hinbrachte (nach Polen, zu Piotr), seinen alten Mercedes, um den Motor revidieren und eine ganze Reihe anderer Dinge in Ordnung bringen zu lassen, erwähnte er in der Mängelliste unter Varia, Wasser dringe in den Kofferraum ein. Ich nehme an, er erwähnte es deshalb, weil er der Meinung war, die Gummidichtung des Kofferraumdeckels müsste gelegentlich ersetzt werden.
„Ach ja und bevor ich es vergesse – da kommt Wasser in meinen Kofferraum.“
„Wasser?“ – fragte Piotr zurück –  „Machst Du Fisch rein!“

Dazu nur Folgendes. Ich weiss nicht, ob mein Freund Fische mag. Aber er hat definitiv keinen Hund. Ob seine Freundin, die ich sehr schätze, den Hund, den er nicht hat und von dem sich deshalb weder sagen lässt, ob er wirklich alt ist noch ob er deswegen auf den Teppich sabbert, nicht in ihrer Wohnung haben wollen würde, auch nicht für ein paar Tage im Mai, entzieht sich ebenso meiner Kenntnis, wie ich nicht weiss, ob die Dichtung des Kofferraumdeckels je ersetz wurde.
Das Einzige, worüber ich mit mir einigermassen im Reinen bin, ist dass es sich lohnt, auf die guten Dinge im Leben zu warten. Und vielleicht noch die Erkenntnis, dass zwar die meisten Dichtungen irgendwann ersetzt oder zumindest frisch formuliert werden müssten, dass es dafür aber in den seltesten Fällen teure Poeten braucht. Polnische Mechaniker erledigen den Job ohne viel Aufheben. Während man wartet.

Beduine (Acryl auf Leinwand)

7. März 2011

Es war einmal ein Reuter (Matthias Claudius)

3. März 2011

Es war einmal ein Reuter,
Der hatt ein schönes Pferd;
Gut das, und was denn weiter?
Er aber war nichts wert.

Irgendwo am Strassenrand

3. März 2011

Eigentlich wirklich alles

25. Februar 2011

Wir haben es alle längst vermutet. Dass schon lange alles gesagt worden ist, was es zu sagen gibt. Ludwig Thoma hat für uns Redner und Rednerinnen den gebrauchsfertigen ersten Satz formuliert, einen Instant-Lacher sozusagen, mit dem wir die Zuhörerschaft als dritte Rednerin oder als sechster Redner einer Veranstaltung erfahrungsgemäss zumindest für einen flüchtigen Augenblick auf unsere langweilende Seite ziehen können: „Es wurde schon alles gesagt, aber noch nicht von allen.“

Ein schöner Satz. Auch ich habe oft darüber lachen lassen. Nur selber mag ich nicht mehr wirklich lachen darüber. Aus verschiedenen Gründen, von denen die meisten hier und ganz sicher auch anderswo nicht interessieren. Weil der Satz nur die halbe Wahrheit beschreibt. Die ganze, vom Rednerpult abgewandte Wahrheit, ist, dass schon alles von allen gesagt wurde, und zwar nicht nur einmal, sondern mehrmals und leider immer wieder. Ein unsägliches Geschwätz. Ein meist sinnloses Palaver, ob gesprochen oder geschrieben. Auch meins. Wofür ich um Vergebung bitte. Macht mal jemand kurz das Fenster zu?

ohne Titel

25. Februar 2011

Das ist eigentlich alles (Daniil Charms)

25. Februar 2011

Da ging einmal
ein Mann ins Büro
und traf unterwegs
einen anderen, der soeben
ein französisches Weissbrot
gekauft hatte und
sich auf dem Heimweg befand.

Das ist eigentlich alles.

 (Daniil Iwanowitsch Charms,  1905-1942)

Wenn der Wind in die Planen weht

10. Februar 2011

In Al-Arakib

10. Februar 2011

In Al-Arakib gibt es Dinge
die gibt es eigentlich nicht
oder jedenfalls nie sehr lange

Es wird einem Angst und Bange
wenn Gestalten im Abendlicht
mit Latten und Nägeln hantieren
um etwas aufzurichten
was morgen schon nicht mehr steht
 
Wenn der Wind in die Planen weht
zieht Rauch vom Friedhof herüber
wo die Kinder und Frauen warten
bis am Morgen das Grauen anbricht

Irgendwann werden hier Bäume
ihre Äste bewegen im Wind
und die Wüste wird furchtbar sein

Sag mir: Was sind das für Träume
die anderen alles rauben
erst das Haus, dann den Schlaf, dann das Land?

In Al-Arakib gibt es Dinge
die dürfte es so nicht geben

In Al-Arakib gibt es Hütten
die nie lange stehen
und In Al-Arakib gibt es Menschen
die langsam verschwinden
weil wir sie nicht sehen