Am Strand

3. September 2010
Du darfst Dir keine Illusionen machen:
Wir wiegen schwer, doch wichtig sind wir nicht.
Wir meinen nur, dass diese Möwen lachen.
Dieses Rauschen heisst nicht, dass die Wellen
klagen, weil wir viel zu schnell vergehen.
Mehr als Treibholz sind wir ihnen nicht.
Diese Brandung murmelt vielleicht schon,
doch erzählt sie nicht von unsern Taten,
zu viel Nachsicht liegt in ihrem Ton.
Teilnahmslos ist dieser weite Himmel
über uns und unter uns der Sand.
Lass uns nicht versuchen, zu verstehen.
Lass uns einfach noch ein Stück weit gehen.
Absichtslos und still im Abendlicht.

Irgendwo im Mittelland (August 2010)

31. August 2010

The vastest things (Mervyn Peake)

6. August 2010
The vastest things are those we may not learn.
We are not taught to die, nor to be born,
Nor how to burn
With love.
How pitiful is our enforced return
To those small things we are the masters of

Irgendwo in China (Oktober 2007)

1. August 2010

Wann immer (Theodor Kramer)

1. August 2010
Wann immer ein Mann trifft auf einen,
der im Winkel sitzt, stumm und allein,
so schuldet, so sollte ich meinen,
er ihm ein Glas Bier oder Wein.
Bis die Augen nicht unstet mehr wandern
und sich aufhellt das bittre Gesicht;
dies schuldet ein Mann einem anderen,
aber zuhören muss er ihm nicht.

Irgendwo zwischen Berlin und Mai 2010

31. Juli 2010

Timetable (Günter Eich)

22. Juli 2010

Diese Flugzeuge
zwischen Boston und Düsseldorf.
Entscheidungen aussprechen
ist Sache der Nilpferde.
Ich ziehe vor,
Salatblätter auf ein
Sandwich zu legen und
Unrecht zu behalten.

ET und seine Freunde, Negev, April 2010

17. Juli 2010

Attila die Nonne, 2. Kapitel

17. Juli 2010

(Wie Attila am Morgen nach den Verhandlungen, von denen er gar nichts wusste, wieder erwachte und sich die Reiter vor seiner Jurte versammelt hatten)

Als er wieder erwachte. Als er wieder erwachte, hatten sich die Reiter vor seiner Jurte versammelt. Die Pferde weideten und machten insgesamt einen ruhigen Eindruck. Gesammelt. Aufbruchbereit. Gefasst. Die Männer standen in kleinen Gruppen um ihre Lagerfeuer, kauten Kautabak und machten schon einmal auf furchteinflössend. Hagere, muskelbepackte Kerle, die vier Monate ohne Sex, zwei Wochen ohne Nahrung, acht Tage ohne Wasser und vier Tage ohne Schlaf auskommen konnten, ohne schlecht übereinander zu reden oder die Gewerkschaft einzuschalten. Sie waren Söhne des Windes.
Sie hatten sich die Schädel rasiert und nur am Hinterkopf einen einsamen, dünnen Zopf stehenlassen, der beim wie-ein-trockener-Wind-über-die-Steppen-Reiten im Genick flattern würde. Ein Flattern, das jeweils in die Richtung weisen würde, aus der sie gerade kamen.
Es wurde kaum gesprochen. Höchstens daran, dass ab und zu einer unvermittelt loslachte, hätte ein aufmerksamer Zeuge der Szenerie erahnen können, dass sich hier etwas anbahnte, worüber sich später zu berichten lohnen würde. Was sich hier zusammenbraute war ein Sturm. Ein gewaltiger Sturm, wie ihn die Welt noch nie gesehen hatte und kein zweites Mal sehen würde. Ein grossflächiger Sturm. Einer, vor dem es kein Entrinnen geben würde. Ein kaum lenkbarer, den zu lenken er auserkoren worden war. Er, Attila. Sohn einer Sanftmütigen und eines Zauderers. Keine 17 Jahre alt. Ein ungeschliffener Teig. Ein Gedichte lesender Gelegenheitsplünderer. Ein notgedrungener Rohling. Ein so nie gemachtes Versprechen. Ruhig wie ein Stein.

Irgendwo in Barcelona, September 2009

17. Juli 2010