Archive for the ‘Aus Walters Tierleben’ Category

Der Flotter

30. Dezember 2009

Der Flotter ist trotz seiner eindrücklichen Physis ein herbstaktives Laubtier. Die anderen drei Viertel des Jahres schläft er, ohne eine Adresse zu  hinterlassen. Flotterweibchen tragen ihren Nachwuchs fast 14 Monate. Die jungen Flotter können schon unmittelbar nach der Geburt schlafen. Einmal geworfen, kümmern sich nur noch die Männchen um die jungen Flotter, die deshalb oft schlecht angezogen und ungewaschen wirken.

Ursprünglich aus Zentralostien stammend, sind die Flotter vermutlich
vor rund zweitausend Jahren über die Beerenstrasse nach Alaska gewandert. Von dort sind sie über Umwegen, von denen sie gerne erzählen, bis nach Michigan gelangt, wo sie noch heute eine kleine, sehr kinderfreundliche Pension führen.

(aus Walters Tierleben, 12. Ausgabe, Hirnfort am Main, 1973)

Der Raschling

29. Dezember 2004

Der lange Zeit für ausgestorben gehaltene Raschling ist 1973 rein zufällig von holländischen Campern in den französischen Pirenäen wiederentdeckt worden. Danach ist es einem Team von französischen Zoologen gelungen, Raschlinge einzufangen und in einer abgelegenen Farm zu züchten. Dank ihrer Hilfe haben sich die Raschlinge erholt und sich wieder zu einer stattlichen Population vermehrt. Raschlinge sind heute wieder in Südfrankreich, Nordspanien und vereinzelt bereits wieder in Kinderbüchern in Osteuropa anzutreffen.
Der Raschling ernährt sich von jungen Trieben von Berggras, ohne dabei anzuhalten.
Er gehört zur Gattung der Rennschweine, eignet sich aber wegen seines eigenwilligen Charakters nicht für gewerbemässig betriebene Rennbahnen. Raschlinge treten in der Regel in fröhlich grunzenden Rudeln von 8 bis 12 Tieren auf. In der Paarungszeit ziehen sie sich zu zweit in kleine Herbergen an Pilgerstrassen zurück.

Das Grashorn

30. Dezember 2003

Das Grashorn benutzt seinen Namen vor allem zur Tarnung. Es frisst am liebsten Weihnachtslamm mit Kastanien. Da es zum Essen Sicherheit, Geborgenheit und Vertrauen benötigt, isst es nur auf Einladung bei guten Freunden. Längere Zeit alleine gelassen, kann es erheblich an Gewicht und Umfang verlieren. In praktisch jedem traditionell christlichen Klima heimisch, war das Grashorn trotzdem lange Zeit vom Aussterben bedroht, weil seinem Speichel von sabbergläubigen Urvölkern magische Fähigkeiten nachgesagt wurden. Grashörner können tatsächlich wunderbar seufzen und geben dabei nach Zimt riechenden Speichel von sich, tun dies aber nur, wenn ihnen jemand mitteilt, ihr Hund sei gestorben.

Sitzungsnotiz aus dem Jahr 2001

17. Januar 2001

Über Walters Tierleben

10. November 1999

Die kleinen Tiere sind vor vielen Jahren während endloser Sitzungen in Bern entstanden. Es ging damals, wie so oft, um Reorganisation – offenbar eine Lieblingsbeschäftigung in unserem Aussenministerium. Die Sitzungen waren für mich oft nur auszuhalten,  indem ich Notizblätter mit kleinen Fabelwesen füllte.

Erst viel später realisierte ich, dass ihnen die Aufzeichnung nicht genügte. Ich habe sie ins Leben gerufen, nun wollen sie Eigenschaften und eine Geschichte. Ich nehme ihren Anspruch ernst und gebe mir Mühe. Die Katalogisierung wird aber noch eine Weile dauern, und ich bitte die Tiere um Geduld.