Archive for Juni 2014

20. Juni 2014

Oil on Canvas

Unsachdienliche Hinweise

20. Juni 2014

Lassen Sie es mich gleich zu Beginn ganz klar sagen, Herr Richter, ich will Sie nicht enttäuschen und Ihnen ihre wertvolle Zeit rauben, denn ihre Zeit ist wertvoll, weil sie vom Staat bezahlt werden, und somit letztlich von dessen Bürgern: Meine Hinweise werden ihrer Sache nicht dienlich sein.

Anders als das, worum die Polizei normalerweise bittet, sind meine Hinweise völlig unsachdienlich. Was nicht heissen will, dass sie unsachlich daherkommen. Sie sind durchaus auf eine Sache bezogen, indem sie darauf hinweisen, aber sie versuchen eben auch, wenn Sie gestatten, davon abzulenken, wobei sie es so gut wie möglich vermeiden, dienlich zu sein.

Es geht meinen Hinweisen ums Prinzip und mir als Hinweisendem um die Ehre. Nicht um meine, ich bitte Sie, die steht hier nicht zur Diskussion. Es geht um die Ehre derer, auf deren Gesinnung Sie sich Hinweise erhoffen von mir. Es geht um deren Sache im Unterschied und in Abgrenzung zu Ihrer Sache. Es geht also eigentlich um die gleiche Sache.

Nur hätte diese Sache, sagen meine oppositionellen Freunde, und man muss ihnen Recht geben, sobald man einmal verstanden hat, was sie meinen, von Anfang an genauer definiert werden müssen. Wessen Sache? Worum geht es genau? Wem sollen wir Hinweise geben, worauf, auf wen? Und wem wird letzten Endes damit gedient?

Wer einen Dieb verrät, Herr Richter, da wir sind uns einig, handelt im Interesse der Bestohlenen. Auch wenn diese das ihnen nun entwendete Gut unrechtmässig erworben haben. Auch wenn sie es ursprünglich dem Dieb oder dessen Eltern und Grosseltern entwendet oder vorbehalten hatten. Mit sachdienlichen Hinweisen ist deshalb grösste Vorsicht und Zurückhaltung walten zu lassen.

Unversehens dient man sonst einer Sache und damit Herren, denen man eigentlich gar nicht dienen möchte. Damit soll nicht gesagt sein, dass ich Diebstahl gutheisse, euer Ehren. Keinesfalls. Diebstahl ist zu verurteilen, Herr Richter. Ganz klar und in jedem Fall.

Aber eben früh genug. Im Anfangsstadium sozusagen. Wenn sich die einen auf Kosten der anderen bereichern. Nicht erst dann, wenn die anderen verzweifeln und in ihrer Verzweiflung darin Zuflucht suchen, die einen zu bestehlen. Das meine ich, wenn Sie mich fragen, ob ich sachdienliche Hinweise habe. Ich habe keine. Ich habe nur unsachdienliche, und es beruhigt mich, Ihnen damit nicht gedient zu haben.

Irgendwo im Süden der Türkei

20. Juni 2014
Schirme, zugemacht

Schirme, zugemacht

Ina im kindischen Ozean

18. Juni 2014

Nachdem wirtschaftlich schon seit Langem die bange Rede davon ist, dass Europa bald nur noch der Wurmfortsatz Asiens sein werde, hat sich spätestens mit der angekündigten Verschiebung eines Teils der US-Streitkräfte auch die geostrategische Diskussion in den Pazifikraum verschoben. Die Konferenzräume in den grossen Hotels sind seither permanent ausgebucht und man kriegt in einem Radius von zwei Kilometern kaum noch Flipcharts oder Filzstifte. Neben dem pazifischen Raum interessiert allenfalls noch der indische Ozean. Eine Studie eines renommierten Denktanks befasste sich kürzlich mit der Präsenz von China im indischen Ozean.

Ich habe mit dem Lesen der Studie begonnen, weil ich meinte, ich müsste das wissen, aber ich stellte rasch fest, dass es sich um ein Missverständnis handelte, genauer gesagt um einen Druckfehler. Es ging nicht um China im indischen Ozean, sondern um Ina im kindischen Ozean. Ina hat sich als sechsjähriges Mädchen aus der Steiermark herausgestellt, das seit ihrem dritten Lebensjahr den ganzen Tag nichts anderes macht, als mit Wasserfarbe Ozeane auf grosse Papierformate zu malen. Von morgens bis abends. Mit einer Geduld und Ausdauer, die in keinen Kindergarten passt. Sie ist mittlerweile bei 289 Ozeanen angelangt und wenn sie mit den Ozeanen fertig ist, hat sie ihrer Mutter gesagt, sind die Kontinente dran.

Das Problem ist nun aber, dass Ina diesen Sommer eingeschult wird. Experten der Forschungsstelle für Aquarelle Geophysik der Universität Graz befürchten deshalb, dass es nur für ganz wenige Kontinente reichen könnte. „Maximal sieben“, äusserte sich Professor Diethelm in der Juniausgabe der Fachzeitschrift Geopaint. „Vielleicht aber auch nur vier oder fünf, und dann wird es wirklich eng.“

Die oberste Bildungsbehörde der Steiermark ist nun im Gespräch mit dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, um für Ina allenfalls eine Ausnahmeregelung von der allgemeinen Schulpflicht zu ermöglichen. Dagegen bildet sich jedoch bereits Widerstand. Die militante Vereinigung der Eltern von mit Wasserfarbe malenden Kindern (VdEVMWMK) setzt sich vehement dafür ein, dass Ina die Grundschule besuchen und trotzdem extensiv weitermalen darf. Falls dies nicht erlaubt werde, droht die VdEVMWMK damit, ihre Abkürzung zu kürzen. Ob sich die Österreichische Bundesregierung in einem Maljahr auf diesen heiklen Machtkampf einlassen will, ist fraglich.