Archive for the ‘BLOG’ Category

Schwer zu sagen

16. Februar 2015

ob uns alles zu schnell ging
oder ob es vielleicht
an uns lag
weil wir zu passiv waren
und irgendwie nicht bereit

Im Fussball sagen sie man muss
dem Ball entgegen laufen

aber das Leben ist
nicht immer ein Fussballspiel

sonst würde ja jeder
die Sonne flach halten
und mehr trainieren

8. Februar 2015

konstanter Wandel

Sieben mögliche Varianten für eine Umfahrung von Burlington, Kanton Zürich

8. Februar 2015

Ein Gutachten der Eidgenössischen Kommission für Kultur- und Heimatschutz hat vor einem Jahr empfohlen, die Projektierung der geplanten Umfahrung von Eglisau zu stoppen. Laut den Gutachtern störte die geplante Umfahrung das Zusammenspiel der kulturhistorisch bedeutsamen Rheinübergänge mit der bestehenden Strassenbrücke und dem Eisenbahnviadukt. Quote unquote.

Von Günter Ohnemus, den ein in Berlin lebender Freund in den Neunzigerjahren oberflächlich kannte, als offenbar viele Leute Günter flüchtig kannten, ihn aber dann wie die meisten jener Leute gründlich vergessen hat, weil es sich angeblich nicht richtig lohnte, ihn im Gedächtnis zu behalten, gibt es ein Buch mit dem Titel „Siebenundsechzig Ansichten einer Frau“. Ich besitze das Buch, habe es aber nur angelesen. Rund sechzig Ansichten fehlen mir, weshalb es mir noch nicht ganz gehört. Ich behalte es trotzdem. Auch wegen dem Titel.

Ohnemus ist gut mit Titeln. Eigentlich erstaunlich, dass ihm in einer Zeit, in der Verpackung wichtiger ist als Inhalt und ohnehin kaum einer ein Buch zu Ende liest, nicht mehr Erfolg beschieden war. „Alles, was Du versäumt hast“. „Ein Parkplatz für Johnny Weissmüller“. „Die letzten grossen Ferien.“ Das klingt doch bei einem Gespräch über Literatur nicht schlecht.

Aber diese schönen Titel haben offenbar – ausser ein paar Jünger der Subkultur, die alles kauften, was der Maro-Verlag publizierte, und mit etwas Verspätung mich – fast niemanden zum Kauf bewogen. Nur ich war bei Ohnemus ohne Mass und habe mir gleich sechs Bücher bestellt, nachdem ich vor ein paar Jahren zufällig auf „Zähneputzen in Helsinki“ gestossen war. Das dünne Buch hatte sich streckenweise so gelesen wie ein deutscher Richard Brautigan, ein anderer Meister der Titel. „Dreaming of Babylon“. „So the Wind Won’t Blow It All Away“. “ Sombrero Fallout“.

Von Brautigan las ich einst alles, was ich kriegen konnte, noch bevor es von Ohnemus ins Deutsche übersetzt wurde. Ohnemus‘ Bücher stehen bis heute mit ihren schönen Titeln in meinem Bücherregal wie geliefert und nicht gelesen. Es ist fast so, als hätte er seine Texte in der Fletcher Library in Burlington, Vermont, hinterlegt, wo im Gedenken an den zu früh verstorbenen Richard Brautigan eine Bibliothek für unveröffentlichte Manuskripte eingerichtet wurde. Kann man auch zu spät sterben?

Die Bibliothek soll vor 10 Jahren 325 unveröffentlichte Werke beherbergt haben. Vielleicht werde ich, wenn ich einmal in Vermont bin, hingehen und selber nachschauen, ob es die Bibliothek noch gibt und wie viele Manuskripte es bis heute geworden sind. Vorher muss aber in Eglisau noch eine Lösung gefunden werden für das Zusammenspiel der kulturhistorisch bedeutsamen Rheinübergänge. Ich würde sonst mit einem schlechten Gewissen nach Vermont aufbrechen.

Die Lösung zeichnet sich zum Glück ab. Der Zürcher Baudirektor hat soeben sieben Varianten für eine Umfahrung der schönen Stadt am Rhein vorgelegt. Fünf Linienführungen sehen eine Brücke über den Rhein vor, zwei eine Unterquerung per Tunnel. Die Brücken sollen zwischen 190 und 510 Millionen kosten, die Tunnels werden auf 780 Millionen geschätzt.

Beim ziellosen Blättern bin ich heute auf dem Parkplatz für Johnny Weissmüller auf einen wunderbaren Satz gestossen: „In Amerika will man immer alles so machen, dass jeder beim Anschauen es schon sehen kann.“

Genau das wünsche ich den Bürgern von Eglisau bei ihrem schwierigen Entscheid auch. Dass ihnen die Umfahrung so gelingen möge, dass man das Zusammenspiel der kulturhistorisch bedeutsamen Rheinübergänge schon beim Anschauen sehen kann. Und zwar schon von Weitem. Zum Beispiel aus Syrien.

(Dieser Text ist Günter Ohnemus gewidmet, der in einem Jahr seinen 70. Geburtstag feiern wird, und Richard Brautigan, der nicht einmal 50 wurde. Es lohnt sich, sie nicht ganz zu vergessen.)

7. Februar 2015

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Worüber man will

7. Februar 2015

„Nachdenken, worüber man will“, lautete diese Woche der Titel eines Artikels im Wirtschaftsteil, den ich sonst überblättere aus Mangel an beidem, Interesse und Verständnis. Einer meiner Mängel, mit denen ich bis heute ohne Mangelerscheinungen lebe, obwohl ich weiss, dass es die Wirtschaft ist, Honey, von der wir leben, während die Politik lediglich die Rahmenbedingungen schaffen muss, damit die Wirtschaft funktioniert und die Kultur und die Diplomatie finanzierbar sind. So in der Art. Ohne Weise.

Wenn man vor einem Fluss steht, muss man sich entscheiden, wo man rüber will. Falls keine Brücke vorhanden ist und man gerade keine bauen kann, sucht man sich am besten eine Furt. Eine Untiefe, wo der Fluss überquerbar ist, ohne von ihm mitgerissen zu werden (wer will schon ins Meer).

Oder man geht am Ufer entlang, bis man endlich eine Brücke findet. Vielleicht eine, die einfach so über den Fluss hängt und erst spannend wird, wenn man sie überquert. Oder eine, die einst im Bogen kühn geschlagen wurde. Es gibt vielerlei Brücken und eine schöne kann auch entzücken.

Der Vorteil, wenn man bis zur nächsten Brücke eine Weile wandern muss, kann darin bestehen, dass man mehr Zeit hat, um nachzudenken, warum man rüber will. Und ob überhaupt. Was, ausser einer Vermutung und wieder ein Weg, liegt am anderen Ufer? Und wie wird man wissen können, wenn man drüben ist, ob es wirklich das andere Ufer ist, wo man angekommen ist, und nicht schon wieder das eine, von dem man aufbrechen wollte? Eine Böschung gleicht der anderen.

Vielleicht ist man ja schon, ohne es gemerkt zu haben, längst am anderen Ufer gewandert, und das, was jenseits der Brücke wie das andere ausgesehen hatte, war schon immer das eine, und wird es auch bleiben, egal, wie oft man die Brücke noch überquert.
Als hilfreich könnte sich jemand am anderen Ende der Brücke erweisen, der sich mit Wasserstand und Uferfauna auskennt. Es müsste eine vertrauenswürdige Person sein, der wir unseren Bieber in die Ferien geben würden ohne zu zögern. Nach sieben Uhr höchstens noch drei kleine Scheite, sonst schläft er nachher schlecht.

„Ist auf Ihrer Seite das eine Ufer…?“, rufen wir der Frau mit Hund zu, die einen gelben Regenmantel trägt, der von der Sonne ausgebleicht ist, „…oder das andere?“
Sie hat uns bemerkt, denn sie steht nun bockstill, während sie vorher keinen Wank tat, auch der Hund bewegt sich nicht mehr als vorher (gar nicht). Sie schaut in unsere Richtung. Jedenfalls möchten wir glauben, dass sie das tut, aber unser Winken verrät uns: Hier sind wir, wir wissen nur nicht wo.

Sie antwortet nicht. Vielleicht will sie uns nicht enttäuschen. Vielleicht sieht sie uns nicht (der Fluss ist hier breit). Vielleicht ist sie blind oder ein Mann und der Hund ausgestopft. Auch war die Frage falsch gestellt. Sie kann nur ja oder nein sagen, das stand als Vorgabe am Anfang des Rätsels. Auf Fragen mit „oder“ weiss sie keine Antwort, auch keine mit „und“. Sie wendet sich ab und bückt sich ins Unterholz, als würde sie Pilze suchen. Bald darauf verschwindet sie aus unserem Blickfeld. Nur der Hund bellt noch eine Weile weiter, trotz allem vergnügt.

Who is Mooh?

7. Februar 2015

Who is Moo

Floored Floater

29. November 2014

Es war typisch für mich: Als ich „Floored Floater“ las, dachte ich sofort an ein bedauernswertes Tier, einem Seeotter nicht unähnlich, das sich in seinen muschelfreien Stunden auf den Wellen einer sanften See treiben lässt, und nun wegen gravierender Umweltverschmutzung, für die ich mich schuldig fühlte, auf Grund gelaufen war. Ich wollte unverzüglich aufbrechen, um es zu retten. Wenn nötig, würde ich ihm in meiner Badewanne Asyl gewähren. Lass schon mal Wasser ein, Liebling, lauwarm, mit etwas Badesalz, nein: ohne Parfüm, ich bin gleich wieder da.

Als ich dann den Zusatz „mit Referenzanleihe“ las, war mir klar, dass ich mich in die Finanzwelt verirrt hatte und mein reflexartiger Fluchtversuch ins Reich der Fabeltiere gescheitert war. Mein Interesse am Angelesenen sank wie ein Stein auf den Boden der Zeitung, wo der ebenso bedauernswerte wie inexistente Floater, vom Ozean meiner enttäuschten Erwartungen flachgedrückt, mit riesigen Augen, die ich ihm traurig schloss, auf seine Verwesung wartete.

Verwesen Organismen auf dem Grund der Tiefsee überhaupt, oder sedieren sie lediglich, Schicht über Schicht über Schicht? Wenn ich das jetzt auch noch google, verzettle ich mich wieder und die Suchmaschine fügt meinem Profil einen Hang zum Morbiden hinzu, der es mir bei künftigen Suchen schwer machen wird, fröhlich zu werden.

Falls Sie sich wegen dem Titel des Eintrags auf meinen Blog verirrt haben, tut es mir nicht wirklich leid. Auf der Suche nach der verlorenen Bonität einer ihnen flüchtig bekannten Emittentin hat Sie mein Titel hierher geführt, wobei Titel für Sie normalerweise eine ganz andere Bedeutung hat. Hier können Sie mit dem, was sie antreffen, nichts anfangen. Aber smart, wie Sie als Anleger sind, haben Sie den Irrtum sofort bemerkt.

Das ist hier nicht die Finanzwelt, rufe ich Ihnen nach. Hier können Sie keine vierteljährlichen Minimum Coupons beziehen und Kapitalschutz bei Verfall der Zahlungsfähigkeit des Referenzschuldners können Sie vergessen. Hier gibt es weder Schmalbesteuerung noch Schwarzgeldbleiche. Hier winseln die Zinse und das einzige, was optimiert wird, ist Ihre Verunsicherung. Aber Sie hören mich nicht. Sie sind längst wieder weg. Ihr Irrtum hat höchstens Sekunden gedauert.

Und Sie hatten natürlich völlig Recht mit ihrer raschen Einschätzung der Lage. Hier gibt es nichts mitzunehmen. Obwohl das ja in letzter Zeit stark in Mode gekommen ist, das Mitnehmen. Zum Beispiel im Sport. Den einen Punkt, lässt sich der Headcoach nach dem Auswärtsspiel verlauten, nehmen wir gerne mit. Sogar nach einer Niederlage. Wir haben zwar verloren, aber wir nehmen die Erkenntnis mit, dass wir, wenn alles zusammenpasst, auch gegen Grossclubs bestehen können.

Aber nicht nur im Sport wird gerne mitgenommen. Auch ein Entwicklungshelfer erzählt mir früh morgens im Radio, während ich mir Schaum um mein doppeltes Kinn schlage, er habe von seinem letzten Afrika-Aufenthalt die Erkenntnis mitgenommen, dass der Mensch viel mehr Widerstandskraft habe, als wir gemeinhin vermuten. Beim Wechsel des Anbieters lässt sich heute die Rufnummer mitnehmen. Es gibt Leute, die nehmen Kleiderbügel und Bademäntel aus Hotelzimmern mit. Andere antike Steine von Ausgrabungsstätten. Es war ihnen nicht bewusst, dass sie aus Stein sind.

Wir sind alle stark im Mitnehmen. Ich nehme mit, Du nimmst mit, sie nimmt mit. Und das nicht erst seit heute. Du nahmst mit, er nahm mit, ihr nahmt mit, ich habe mitgenommen, wir hatten mitgenommen. Deshalb liegt bei uns zuhause so viel Krempel herum, bezahlt oder gefunden. Und aller Wahrscheinlichkeit nach wird das so weitergehen. Ich werde mitnehmen, Du wirst mitnehmen, wir werden mitnehmen, sie werden mitnehmen, ihr werdet mitnehmen. Auswärtspunkte, Erkenntnisse, Gefühle, Kleiderbügel, Kapitele, Bademäntel, Bücher, schwarze Socken. Bis irgendwann kein Platz mehr ist. Bis wir die Müllabfuhr oder Enzensbergers gute alte Furie des Verschwindens kommen lassen müssen, der am Ende ohnehin alles zufällt, zuerst langsam, dann rasend schnell.

Wenn ich Ihnen etwas auf den Weg geben darf, bevor Sie diesen Blog wieder verlassen: Nehmen Sie es nicht mit. Nehmen Sie überhaupt nichts mit, was Sie auch hier lassen können. Denken Sie an die forschen Fragen der Zöllner. Widerstehen Sie dem Sammlerreflex. Denken Sie an all das, was zuhause bereits ausser Gebrauch ist. Lenken Sie sich ab. Denken Sie an Blumen, die nur einmal im Jahr um Mitternacht blühen. Denken Sie an einen Film oder einen Freund, den Sie gerne wieder einmal sehen würden. Oder denken Sie, wenn Sie das hinkriegen, am besten an gar nichts.

Lassen Sie sich auf dem Heimweg vom Schlaf überwältigen, dem wohltuenden Wegelagerer. Legen Sie den Kopf in den Nacken, notfalls in Ihren, und schlafen Sie, bis das Geräusch der auf der Rollbahn aufsetzenden Räder Sie weckt. Und bitte vergewissern Sie sich, bevor Sie das Flugzeug verlassen, dass kein Floater auf dem Boden liegt.

Und nun zum Wetter…

29. November 2014

Rest der Schweiz

Ein am Horizont parkiertes, sechsfach gesichertes Fahrrad

14. September 2014

Zwischen einem Artikel über die bevorstehende Abstimmung zur schottischen Unabhängigkeit und einem, der die amerikanischen Mühen beschreibt, arabische Staaten für den Kampf gegen die Jihadisten zu gewinnen, steht in der NZZ am Sonntag ein Rennrad auf einem teuren, ganzseitigen Standplatz.

Es gehört, wen wundert’s, einer Versicherungsgesellschaft. Fast alles gehört, wenn wir einmal fort sind, einer Versicherungsgesellschaft. Wahrscheinlich schon vorher.

Das Rennrad ist mit sechs Schlössern gesichert, wovon eines besonders raffiniert das Vorderrad mit dem Vorderrad verbindet, obwohl jenes weder am Fahrradrahmen noch am Kandelaber festgemacht ist, an dem das Fahrrad angelehnt ist. Wer dieses Vorderrad stiehlt, so lautet die entmutigende Botschaft an potentielle Diebe, muss das Vorderrad samt Schloss mitnehmen.

Um Fahrraddieben keine Gelegenheit zu bieten, die Schlösser in Ruhe zu studieren und schliesslich zu knacken, wird das Fahrrad regelmässig umparkiert. Vor einer Woche stand es zum Beispiel zwischen Artikeln über Massenmorde im Irak und die rasend schnelle Ausbreitung von Ebola.

Der Besitzer des Fahrrads ist offenbar ein Mann von Welt. Zumindest liest er den internationalen Teil der Zeitung. Sonst würde er sein teures Fahrrad wohl ab und zu auch in den Rubriken „Schweiz“ oder „Zürich und Region“ parken und von da aus nachhause spazieren. Obwohl ich vermute, dass er zu denjenigen Zeitgenossen gehören könnte, die an der Börse spekulieren, steht sein Fahrrad nie zwischen den Kursmeldungen.

Dort findet man seltsamerweise weder Fahrräder, Luxuskarossen noch teure Uhren. Dort wird es offenbar ernst. Zwischen Kursen und Diagrammen wird nichts geduldet, was der Konzentration auf die Gewinnoptimierung abträglich sein könnte. Man muss sich durch eine Zahlenwüste durchkämpfen, bis man es endlich geschafft hat und sich an der unnachahmlichen Leichtigkeit des Sportteils laben kann.

Wir müssen hier nicht über die Werbung als unentbehrliches Fundament für die Presse diskutieren. Wir müssen überhaupt nicht diskutieren. Es ist Sonntagabend. Trotzdem kann die unmittelbare Nachbarschaft von versicherbarem Luxus zu Tod und Überlebenskampf befremden. Einer hat ein Luxusfahrrad und parkiert es, gesichert mit sechs Schlössern, zwischen Tod und Vernichtung.

In der Relativitätstheorie gibt es den Begriff des Ereignishorizonts. Ich kann das wie so vieles weder ganz verstehen noch richtig erklären, aber mich beeindruckt die Vorstellung, dass Ereignisse jenseits dieses Horizonts für Beobachter nicht mehr sichtbar sind.

Während man in der Relativitätstheorie unter „Ereignissen“ Punkte in der Raumzeit versteht, die durch Ort und Zeit festgelegt sind, handelt es sich in Gegenwart und Geschichte in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle um Scheusslichkeiten, die der Mensch dem Menschen antut. Die Skala ist in sämtliche Richtungen offen. Ein Blick in die Tagesnachrichten genügt.

Ähnlich wie in der Relativitätstheorie gibt es vielleicht in unserem individuellen Leben einen Ereignishorizont, jenseits dessen wir die Ereignisse nicht mehr wahrnehmen können. Wir erhalten sie zwar noch vorgesetzt, aber ab einem bestimmten Grad von Grausamkeit und nach zu häufiger Wiederholung finden sie jenseits unseres Ereignishorizontes statt, in einer anderen Welt, mit der wir nichts zu tun haben wollen.

In der Relativitätstheorie bildet der Ereignishorizont eine unüberwindbare Grenze für Information und kausale Zusammenhänge. Das trifft wahrscheinlich analog auch für unsere Aufnahmefähigkeit gegenüber dem Weltgeschehen zu, wo es uns zu brutal und zu grausam wird.

Der beobachtbare Teil des Universums liegt angeblich 47 Milliarden Lichtjahre entfernt. Licht klingt hell, Jahre kennen wir und sogar an Milliarden haben wir uns im Zeitalter des Grössenwahns gewöhnt. Trotzdem übersteigt das meinen Horizont.

Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass die Erkundung des Weltalls nicht allen gegeben ist. Die Tiefen des Weltalls sind kein taugliches Tagesthema. Die Konfrontation mit den menschlichen Abgründen wird uns hingegen täglich zugemutet, und das ist wahrscheinlich richtig so. Sie sind weniger weit entfernt und bevor sie in einem schwarzen Loch verschwinden, stürzen wir selber hinein.

Wir müssten irgendwann damit beginnen, uns mit dem zu beschäftigen, was schief gelaufen ist und immer noch schief läuft. Sechs Schlösser an unser geliebtes Rennrad zu hängen, wird nicht reichen.

26. Juli 2014

Selbstportrait