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II

20. Juni 2010

Beim ersten Aufschlagen des Buchs sofort das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Wie auch nicht. Schon wieder ein Buch, das mit dem zweiten Kapitel beginnt.
Wahrscheinlich auch diesmal eine Botschaft des Autors, der uns mitteilt, dass unsere Geschichten keinen Anfang mehr haben. Wir sind plötzlich mittendrin, von was auch immer, und möchten möglichst rasch wieder raus. Oder wir stellen mit Entzücken fest, dass es uns hier gefällt, und möchten eigentlich gerne wissen, wie wir hierher gekommen sind, oder was dieses Glück so getrieben hat, bevor es bei uns vorbeischaute. Aber wir haben den Anfang verpasst.
Vielleicht hat die Autorin aber auch ganz einfach Mühe mit Anfängen. Ganz besonders bei dieser Geschichte. Sie sitzt uns gegenüber, reibt sich die Hände und ringt um Worte. Ich weiss gar nicht, wo ich jetzt beginnen soll. Noch einen Tee vielleicht? Sie möchte niemanden langweilen, indem sie zu weit ausholt. Es soll uns wohl sein beim Zuhören. Zwei oder ein Zucker? Noch ein Stück Vorwort vielleicht?
Wer weiss so genau, wo etwas wirklich beginnt? Anfänge sind oft fein gesponnen und bleiben lange unsichtbar, wenn dünne Fäden zwei Schicksale zu verbinden beginnen.
Aber darf man sie deswegen ganz weglassen, wenn man die Geschichte erzählt? Die Mitte bietet sich für Kürzungen meist eher an, während das Ende unvermeidbar ist: Sogar wenn man keines schreibt, hören Text und Geschichte irgendwann auf.
Nun kann man das natürlich auch über den Anfang sagen. Auch wenn man keinen schreibt, beginnt der Text und mit ihm die Geschichte. Aber warum dann die Überschrift „II“?
Dass vorher meistens etwas war, wissen wir. Selten kommt etwas aus dem Nichts. Nichts schon gar nicht. Wo hätte es sich dort verstecken sollen?
Wir waren vorher alle irgendwo, mit irgendetwas beschäftigt. Wir wären unter Umständen gerne länger geblieben, aber irgendwann hatten wir anderes vor oder mussten die letzte Fähre erwischen, es tat uns leid.
Mag sein, dass es lediglich ein unentschuldbares Versehen der Druckerei war. Oder eine unselige Verkettung von sträflichen Schlampereien im Innern des Verlages, die damit endete, dass ein Buch in die Handlung kam, bei dem das erste Kapitel fehlt. Obwohl der Autor darin den ganzen Roman wunderbar angelegt hatte, die Autorin endlich einmal einen Anfang gefunden hatte, der nichts versprach und später alles halten würde.
Der Verlag hat sofort einen Rückruf lanciert.
„Kundinnen und Kunden, die ein Exemplar von Josip Sternhändlers Roman „Winkelwälder“ gekauft haben, das mit dem zweiten Kapitel beginnt, werden gebeten, das Buch in einer Buchhandlung ihrer Wahl umzutauschen. Für Stimmungen und Vorstellungen, die wegen dem Nichtvorhandensein des ersten Kapitels aufgekommen oder entstanden sein könnten, lehnen Autor und Verlag jede Verantwortung ab.“
Dafür war es aber zu spät.  Die Verunsicherung treibt Blüten und Leute wie ich möchten das erste Kapitel auf keinen Fall nachgeliefert. Noch  möchten wir das Gefühl, etwas verpasst zu haben, missen. Auch Gefühle, die trügen, können tief empfunden sein.
Einiges von dem, was wir verpasst haben, möchten wir nicht nachholen müssen, und vieles ist, seien wir ehrlich, ganz einfach vorbei. Manchmal ist etwas aber erst dann wirklich vorbei, wenn wir uns dem Glauben hingeben wollen, wir hätten es besser auskosten können und müssen.

Ab und zu muss es uns auch über die Zukunft hinwegtrösten, dieses Gefühl, etwas verpasst zu haben. Wenn vielleicht etwas hätte möglich werden können, was wir vermutlich gerade definitiv vermasselt haben. Es ist fast schon unglaublich, wie geschickt und hartnäckig wir uns hin und wieder selber im Weg stehen. Andere lachen später, wenn wir es ihnen erzählen. Oder sie schütteln den Kopf und finden ausser „schade“ keine anderen Worte für uns.
Und sie haben natürlich recht damit. Ein leises Bedauern reicht vollständig. Belehren oder beraten muss man uns nicht. Nur wir wissen, wie man so dumm sein kann, so etwas Schönes nicht einmal beginnen zu lassen. Melde Dich trotzdem, Glück, wenn Du mal wieder in der Gegend bist. Wahrscheinlich sind wir noch da.

Mein Haubenwellensittich

29. März 2010

Jeden Morgen erwache ich in einen Konflikt. Eigentlich glaube ich zu wissen, dass es verschiedene Konflikte sind, und man erwartet von mir mit einem gewissen Recht, dass ich sie unterscheiden kann, aber langsam kommen Zweifel in mir auf, und ich muss mich immer mehr dagegen wehren, ins Grübeln zu kommen, ob es sich um einen einzigen Konflikt handeln könnte.
Bezeichnenderweise kommen diese Zweifel nicht beim Erwachen auf. Wenn ich erwache, steht der Nahostkonflikt klar im Vordergrund und verdrängt noch beim Frühstück alles andere, den Geruch des Kaffees, die Konfitüre und sogar die Sportberichte. Auch im Büro bleibt für andere Konflikte zunächst wenig Raum. Die Zeitungen, das Internet und meine Mailbox sind schon am frühen Morgen voll von Berichten über den Nahostkonflikt, während meine anderen Konflikte abgesehen von meinem Freundeskreis, der sich wegen der Zeitverschiebung noch eine Stunde Schlaf gönnt, niemanden interessieren, wofür ich dankbar bin.
Am Abend kann das anders sein. Am Abend kann ich mir vorstellen, mir einen Vogel zu kaufen. Ich stelle mir dann zum Beispiel einen Haubenwellensittich vor. Sie sollen gesprächsbereit sein, wenn man sie von früh auf und alleine hält, weil sie einem dann als etwas gross geratenen Sittich erkennen, der zwar die Sprache schlecht spricht, sich aber hörbar Mühe gibt.
Im Internet findet man Seiten, die Haubenwellensittiche samt Zubehör anbieten. Ich bin noch nicht auf eine dieser Seiten gegangen, weil ich es an meinen sittichfreundlichen Abenden noch nie bis zum Entschluss gebracht habe, mich über die zum Erwerb eines solchen Vogels notwendigen Schritte zu informieren. Das Zubehör verunsichert mich ausserdem. Kommt der Vogel mit Ersatzflügeln?
Das wahrscheinlich Schönste an einem Haubenwellensittich wäre seine vielgepriesene Gesprächsbereitschaft.  Er könnte mir als lebendes Beispiel für Lösungsansätze im Nahostkonflikt dienen, indem ich zeigen könnte, dass er mit mir zu sprechen bereit ist, obwohl ich weder Flügel habe noch ihm sonst irgendwie ähnlich bin. Ich bin frei und halte ihn gefangen und trotzdem spricht er mit mir. Er ist von mir abhängig und weiss trotzdem, dass ich ihn bewundere. Manchmal kratzt er  mich mit seinem Schnabel fast zärtlich an der Nase.
Auch der Haubenwellensittich könnte nicht alle meine Konflikte lösen, ich weiss. Wahrscheinlich nicht einmal meinen einzigen. Ich stelle es mir trotzdem schön vor, ihn als Gefährten zu haben. Er wäre mir mehr als ein Haustier. Jemand, der da ist, wenn ich von meinem Konflikt und mit meinen Konflikten nachhause komme.  Er müsste mich nicht einmal fragen, wie mein Tag war. Es würde mir reichen, glaube ich, wenn er da wäre am Morgen, wenn ich in meine Konflikte erwache, und immer noch da am Abend, wenn ich nachhause käme.
Ab und zu würde ich ihn fragen, ob er wegfliegen würde, wenn ich tagsüber seine Käfigtüre und ein Fenster offen liesse. Wegfliegen und nie mehr wiederkehren, mir und meiner Konflikte überdrüssig. Dann würde er den Kopf vorneigen und mich ganz leicht an der Nase kratzen.

Treviso

24. Januar 2010

Die Ziegel stammen aus Treviso. Sie versuchen, diskret zu sein, aber sie sind etwas aufdringlich, vor allem im Sommer.  Es gelingt mir nicht, auf einen Stuhl auf meiner Terrasse zu sitzen und den Kopf in den Nacken zu legen, ohne den Schriftzug zu lesen. Ich war noch nie in Treviso, was mir aber vermutlich nicht geschadet hat, denn es soll sich von je her um eine undankbare Stadt gehandelt haben.
Obwohl sie 1164 von Barbarossa den Status einer reichsfreien Stadt erhielt, hat sie sich kurz danach von ihm ab und seinen Feinden zugewendet. Barbarossa musste seine Gemahlinnen danach anderswo umbringen und Treviso erlebte in der Folge seine Blütezeit. Der Herrschaftsbereich wurde ausgedehnt und die Stadt ausgebaut, hauptsächlich mit Ziegeln. Die trevisischen Dachdecker waren dermassen geschickt und schnell, dass die Maurer und Zimmerleute nicht mehr nachkamen. Ein Teil des neu erworbenen Herrschaftsgebietes von Treviso bestand in den nächsten 175 Jahren vor allem aus flachen Ziegeldächern, die gespreizt und giebellos auf dem eroberten Boden lagen. Das konnte auf die Dauer nicht gut gehen, weil  die neuen Untertanen sich bald beschwerten und nach Herren Umschau hielten, die Unterstand anbieten konnten. Treviso verlor nach und nach seinen Einfluss auf die Landschaft und musste sich 1339 in den Schutz von Venedig begeben, mit dem es seither einigermassen solidarisch untergeht.
1797 übernahmen die Österreicher die Macht in Treviso und gaben sie erst 1866 wieder zurück. Vorherige Anfragen waren jeweils mit dem Bescheid abschlägig beantwortet worden, man könne Ziegelfabriken nicht an ein Fürstentum zurückgeben und warte auf die Entstehung eines italienischen Nationalstaates.  Aber wie gesagt, ich war nie selber dort und man müsste das alles einmal nachprüfen.
Hingegen war ich in Teheran und in Berlin. Von allen drei Städten hat mir Teheran am besten gefallen. Der damalige Staatspräsident galt im Westen als liberal, bis ihm jemand ein Wörterbuch schenkte.  Heute ist alles komplizierter und undurchsichtiger. Der Nachfolger des Nachfolgers des damaligen Präsidenten bedroht den Staat, in dem ich momentan lebe, mit Vernichtung, und ich bin der einzige hier, der nach Berlin ausweichen könnte.

An nasskalten Tagen kann man vierzig Jahre weit riechen

15. Januar 2010

Die Sonne scheint. Der ganze Sportplatz vor der Schule ist mit verschiedenen Posten bestückt, an denen sportliche Leistungen gemessen werden. An jedem Posten steht eine Gruppe aufgeregter Kinder. Fünfzig-Meter-Lauf, Kugelstossen, Weitsprung, Hochsprung, Erinnerung, Stangenklettern.
Meine Gruppe ist beim Weitwurf. Rolf, der vor mir zum Werfen kommt, nimmt einen so langen Anlauf, dass er seine ganze Kraft beim Abwurf schon verpufft hat. Der Geruch von nassen Kleidern in der Strassenbahn.
Der Lehrer schreitet am Rand der Wiese die Markierungen ab. „23 Meter!“, ruft er. Johann, der wegen seinem vertretenen Fuss ausgerechnet heute nicht turnen kann, sitzt beim Abwurf und notiert die Weite für Rolf in ein Heft.
23 Meter. Dann bin ich an der Reihe. „Sie können jetzt Platz nehmen“, sagt die Assistentin, „Dr. Heinemann ist gleich bei Ihnen.“  Ich nehme weniger Anlauf. Schweiss und nasse Kleider. Und kalt von den Füssen her. Ich konzentriere mich voll auf den Abwurf und denke dabei an nichts anderes als an mein grosses Ziel: Mit dem kleinen Lederball das Panoramafenster der Schulzahnklinik am anderen Ende der Wiese einwerfen.

Es ist ein kalter Tag. Die Sonne scheint. Ich drücke den Ball in meiner Hand zusammen. Ich mache ihn noch kleiner und schwerer als er schon ist. So muss es möglich sein. Nur das Klingeln stört ein wenig.
Mein Handy. Ich habe es im Mantelsack gelassen und der Mantel hängt draussen an der Garderobe. Dr. Heinemann scheint das Klingeln nicht zu hören. Ich kann jetzt nicht sprechen. Mein Mund ist von Watterollen aufgesperrt. Die Assistentin ist entweder taub oder völlig desinteressiert. Sie kann jemand anderen heiraten. Ich bin in Franziska verliebt. Aber sie weiss es nicht.
Ich blinzle in die Sonne und stelle mir die Flugbahn des Balles vor. Ein kalter Tag und es regnet und ich habe den Schirm vergessen. Wenn ich mich voll konzentriere, mich ganz in diesen Wurf gebe, mein Herz, meine Kraft, meine Träume, meine Wut  – dann wird das grosse Fenster in Brüche gehen. Da bin ich mir ganz sicher.
Klingelt mein Name? Unmöglich, dass ich das während dem Bohren höre. Ich spüre ja nichts. Lächerlich. Die Spritze in den Rachen hat mich gefühllos gemacht. Nur die Füsse sind kalt. Und dann höre ich doch etwas.
„64 Meter!“ ruft der Lehrer, „64 Meter – unglaublich!“
Unmöglich, es regnet ja. Und wer bezahlt das jetzt? Meine Eltern? „Sie können jetzt spülen“. Klingelt mein Handy? Die Kinder strömen alle zusammen. Die ganze Schule versammelt sich auf der Wiese vor dem in Brüche gegangenen Panoramafenster im ersten Stock der Schulzahnklinik. „Können sie mich hören?“
Meine Klassenkameraden haben mich auf ihre Schultern gehoben und tragen mich johlend über die Wiese. Läuft mir da Speichel aus der Mundecke? Jemand gibt mir einen Klaps auf die Backe. Da spüre ich doch nichts, Johann. Er hält mir etwas unter die Nase. Quer über das Weitenheft hat er mit grossen Buchstaben WELTREKORD! geschrieben, und darunter: Scheibe kabutt!
Er schwenkt das Heft unter meinen Augen und ruft mir etwas zu. Sein Atem riecht nach Äther. Ich muss ihm das einmal sagen.
„Sie können jetzt spülen!“ sagt der Lehrer. Ich schaue ihn an in seinem weissen Kittel. Das habe ich befürchtet. Er hat es meinen Eltern gesagt. Weltrekord. Unglaublich.
Das ist wirklich mein Handy. Ich muss rausgehen und es holen, bevor es aufhört zu regnen. Den Mantel auch gleich.
„Spülen, bitte.“ Der Mann im weissen Kittel zeigt mit seiner Hand auf das Glas neben mir mit dem rosagefärbten Wasser. Noch eine Hand, die wie meine aussieht, kommt in mein Gesichtsfeld und greift nach dem Glas. Keine Ahnung, wo die herkommt. Ich nehme einen Schluck Regenwasser und lasse es im Mund zirkulieren. Ist er geschlossen, mein Mund? Können Sie bitte nachschauen, Herr Doktor? Ich mag es nicht, wenn mir in Anwesenheit der Assistentin Speichel aus dem Mund läuft. Obwohl sie es gar nicht mitkriegen würde. Sie ist auf eine Scherbe gestanden und mit ihrem Schuh beschäftigt.

„Das ist Schulhausrekord“, ruft Rolf, „Das hat überhaupt noch nie jemand geschafft“. Ich lasse das Wasser aus meinem Mund in das Spülbecken fliessen – es rinnt über meinen gefühllosen Unterkiefer und dreht sich in einem rostroten Strudel in den Ausfluss. Es regnet. Ich darf meinen Schirm nicht vergessen.
„Ist alles in Ordnung?“,  fragt Dr. Heinemann. „Fühlen sie sich gut? Sie sind ein bisschen blass geworden.“
Er trägt einen Mundschutz und durchsichtige Handschuhe. Eigentlich seltsam, für eine Lehrer. Ich nicke trotzdem. Es geht mir prächtig. Ich spür überhaupt nichts. Hinter ihm am Boden liegt der kleine Lederball zwischen den Scherben. Draussen regnet es. Man hört Kindergeschrei. Es muss eine Schule in der Nähe sein.

Die Assistentin lehnt sich über mich und stellt die Stuhllehne gerade. Ich schaue ihr kurz in die Augen und bin mir nicht sicher, ob sie ahnt, dass ich mich in sie verliebt habe. Ich wische mir mit einem Papiertaschentuch den Mund ab. Wassertropfen gehen an der grossen Fensterfront nieder, vereinigen sich zu kleinen Rinnsalen, werden schneller.
Unten auf der Wiese steht ein Lehrer und rollt das Messband ein. Ich kenne ihn. Ich kenne ihn von irgendwoher. Nur etwas älter ist er geworden. Er streicht sich eine nasse Strähne grauen Haars aus der Stirne. Müsste eigentlich schon lange in Pension sein. Hat er jetzt hochgeblickt? Sobald es aufhört zu regnen, werde ich ihn zurückrufen.

Anmerkungen zum Verlassen

25. Dezember 2007

Auf den ersten Blick scheint alles einigermassen klar. Die, welche fortgehen, lassen etwas zurück und nehmen etwas mit sich fort. Dinge, gemeinsame Pläne, mindestens sich selber. Sie können als Reisende weder alles mitnehmen noch alles dalassen. Das leuchtet uns ein. Das erste aus Platzgründen nicht und weil sonst ja kein Grund zum Fortgehen bestünde. Das Zweite weil sie ganz ohne etwas von sich für unterwegs nie wüssten, wo sie angekommen wären, falls sie so überhaupt noch irgendwo landen könnten. Und auch weil wir wirklich nicht möchten, dass sie gehen und einfach alles dalassen. Einen Teil muss man schon mitnehmen, wenn man uns verlässt. Das sehen sie in der Regel auch so. Also nehmen sie immer etwas mit. Sachen, Eigenheiten, nie alles, mindestens aber sich, und lassen in der Regel etwas da, was sie nicht mehr wollen oder wovon sie meinen, dass wir noch Verwendung dafür haben könnten. Die einen lassen mehr zurück, die anderen weniger, immer den Rest und die Ungeschickten sogar sich selber. Und wenn sie es noch früh genug merken, kehren sie um und vielleicht sind wir noch da. Glück gehabt. Wenn nicht, finden sie so manchmal sich selber, können aber dann oft wenig mit sich anfangen.
Und die, die zurückbleiben, verlieren etwas, müssen etwas loslassen. Sachen, Zukunftspläne, mindestens einen Menschen und manchmal ein Stück von sich selber. Die am schlimmsten Getroffenen passen nicht auf und lassen sich selber mitgehen und haben dann grösste Mühe, sich irgendwann wiederzufinden, während Sture noch jahrelang ein zweites Gedeck auftischen.

Bei genauerem Hinsehen vernebelt sich der Blick. Die Umrisse der Figuren verwischen und die Rollenverteilung, ob sie uns passte oder nicht, wird unklar. Hat dieser Mensch, der fortging, wirklich etwas mitgenommen? Wenn ja: Was war es genau und was fiel ihm eigentlich ein? Und wenn es uns jetzt so fehlt, ist es dann nicht noch da?
Falls wir nur im ersten Schock gemeint hatten, etwas sei weggekommen, und mit etwas Abstand beim Inventar feststellen: Gottseidank – ausser ihr fehlt nichts! – was war es dann, was wir vorher zu haben meinten mit und an ihr? Und hat sie das, was wir lange für sie waren, weil sie es in uns sehen wollte, nicht zwangsläufig mitgenommen und uns also gar nicht zurückgelassen, weil wir so gar nie waren und nun endlich wieder da sind?

Wir holen den Fahrplan hervor und schauen nach, wo wir selber unterdessen sein könnten, wenn wir es gewesen wären, die fortgegangen wären. Das können wir auch, einfach Fortgehen. Schon lange und womöglich besser. Das, was die, die fortging, mitgenommen hat, falls wirklich etwas fehlt, hätten wir jedenfalls auch dagelassen, und es käme auf dasselbe heraus. Dort, wo sie womöglich hingereist ist, würden wir nicht einmal per Preisausschreiben hinwollen. Die Gefahr, dass man sich zufällig trifft, besteht kaum, auch wenn die Welt klein ist und wir im ersten Trennungsschmerz meinten, sie sei noch kleiner geworden, was natürlich ein Unfug ist, weil sie immer gleich gross ist, egal wo wir sind. Gepackt war jedenfalls schnell. Dies und das und das Nötigste. Und vielleicht noch jenes, als Lückenfüller. Wie ein Paar Socken, als Stopfmaterial. Damit das Notwendigste an Ort bleibt und nicht hin und her rutscht.

Am Schluss hat man bei aller Sorgfalt beim Packen doch meistens das vergessen, was man am dringendsten braucht. Wie konnten wir nur. Tragisch ist das aber auch nicht, weil dort, wo wir ankommen würden, nicht das Ende der Welt ist, sondern wieder irgendein Anfang, wenn auch nicht ein völlig neuer, weil wir ja nun da sind. Auch deshalb ein fraglicher Entschluss und am Ende der Entscheid doch richtig, auch wenn wir es nicht waren, die ihn trafen, hierzubleiben und sie gehen zu lassen. Geh Du nur. Oder ihn. Soll er doch gehen. Sie auch. Bitte nach Dir. Soll doch gegangen sein. Das Ganze möglichst geschlechterneutral. Abschiede machen uns gleich. Vor allem, wenn man die Hand nicht schüttelt, weil man sie nicht schütteln kann oder will, wenn der Aufbruch bei Nacht erfolgt und die einen noch schlafen oder der andere gleich wegstirbt.
Bei Beziehungen sollte es das gar nicht geben, die Begriffe des Verlassers und des Verlassenen. Eine Beziehung sei wie ein Raum, haben uns die Psychologen zu erklären versucht, den der eine Mensch nur verlassen könne, wenn ihm der andere die Türe geöffnet habe, mindestens einen Spalt weit. Manchmal steht die Türe aber auch sperrangel weit offen, tage- und wochenlang, und die Nachbarn reklamieren schon wegen dem Durchzug auf der Etage, und doch geht keiner fort. Oder die Türe ist fest verschlossen, alle Riegel geschoben und das Kettchen vorgehängt, und dann geht eine einfach durch die Wand oder einer springt aus dem Fenster. Alles, was man dazu sagen kann, ist dass es alles gibt in dieser Beziehung. In jeder Beziehung. Darauf verlassen wir uns.

Zurückgelassen

25. November 2004

Wo das Ganze mehr war als die Summe seiner Einzelteile, sind diese, wenn es zerfallen ist, weniger als sie selbst. Beim Hauptbahnhof in Bern, am Rande der Fussgängerüberführung bei der Schanzenpost, von der aus man zu den einzelnen Geleisen hinabsteigen kann, steht am Abend oft ein Indio und spielt auf seiner Flöte, während der Strom der Reisenden in beiden Richtungen an ihm vorüberzieht. Er hat sich im vergangenen Mai zum ersten Mal in mein Bewusstsein gespielt.
Er trägt einen traditionellen Umhang, ist klein, nicht mehr jung und verströmt eine Einsamkeit, die mich nachhause begleitet. An seinen Händen fallen, schon damals im Mai, schwarze, fingerlose Wollhandschuhe auf, die der Beweglichkeit seiner Finger abträglich sein müssen. Vor ihm liegt irgendein Gegenstand am Boden – eine Mütze, ein Schal, ein Gefäss – der die von den Passanten gespendeten Münzen aufnehmen würde.
Was er spielt, sind nicht die üblichen Weisen, die wir von einem Flötenspieler aus den Anden erwarten, der auf einem Bahnhof den Passanten musiziert. Es sind keine ganzen Lieder, nicht einmal zusammenhängende Teile einer Melodie, die uns an vermeintlich Bekanntes erinnern könnten. Es klingt im Vorübergehen wie zufällige Bruchstücke halbvergessener Passagen, denen, um Melodie zu werden, der Klang der anderen Instrumente fehlt, die seine abwesenden Gefährten früher spielten. So etwa, als hörte man von einem Sinphonieorchester lediglich den Triangel.
Wieviel schmerzloser wäre es, spielte auch er El Condor pasa. Wieviel leichtfüssiger gingen wir an ihm vorüber, würde nicht alles an ihm, sein Gesicht, sein seltsames Flötenspiel, seine fingerlosen Handschuhe, nach seinen Gefährten rufen, mit denen er vor Jahren nach Europa gereist war und damals spielend soviel Münzen sammelte, dass es jeden Abend für ein warmes Essen reichte.
Spräche man Spanisch, man würde ihn nicht fragen mögen, wo die anderen jetzt sind. Ob er sie durch Zufall verloren hat, ob sie ihn absichtlich zurückgelassen haben, weil seine klammen Finger die Melodien zu vergessen begannen. Es ist so klar wie die Sonne der Anden, die ihm hier fehlt: Er kann im Strom der Passanten stehen und musizieren, bis ihm sein Umhang auf den krummen Schultern zerfällt – sie kommen nicht wieder. Er spielt völlig umsonst.

Yul Briner ist jeden Tag rückwärts gerannt

25. Januar 2004
Da wären wir also. Mitten im neuen Jahr. Und kommt mir jetzt nicht damit, es sei erst der Anfang. Wenn man ins Wasser gestossen wird, ist man mitten im Ozean.
Und nun? Welche Optionen haben wir, so zwischen Silvester und Silvester? Haben wir überhaupt welche?
Reinhard Lettau hat es einmal so formuliert: Schriftsteller sind Menschen, die sich der Illusion hingeben, es werde ein weiteres Buch von ihnen erwartet. Er hat auch Anderes sehr treffend formuliert. Hat sich auf einzigartige Weise zu relevanten Themen wie der Frage der Himmelsrichtungen oder den Schwierigkeiten beim Häuserbauen geäussert. Und das alles aus einer der deutschen Sprache abgewandten Ferne, von jenseits des Atlantiks, wo er an einer amerikanischen Universität einen Lehrstuhl für Deutsche Literatur bekleidete, bis er kurz vor seinem Tod nach Berlin zurückkehrte, wo er bald darauf starb, weil er erst kurz vor seinem Tod zurückgekommen war. Sein letztes Buch trug den Titel „Flucht vor Gästen“. (more…)

Zweihundert Hosen zum halben Preis

25. Januar 2004

(kurze Gedanken zum neuen Jahr)

Ich schreibe den 6. Januar. Sonst macht es ja wieder keiner. Es hat endlich geschneit. Bis in die Niederungen. Natürlich zu spät für weisse Weihnachten, aber trotzdem endlich. Im Flachland sind wir schon dankbar, wenn die Natur uns relativ knapp verfehlt.
Die Bäume in den Alleen sind kahl, die Pläne karg, das Portemonnaie leer und die Heilsarmee hat sich in ihr Hauptquartier zurückgezogen. Rundum Ausverkauf. Im Schaufenster des kleinen Herrenmodegeschäfts gegenüber von meinem Bürogebäude weist ein Schild auf die bestimmt einmalige Möglichkeit hin, zweihundert Hosen zum halben Preis zu erstehen. Man sollte sich unverzüglich auf die Beine machen.
Für Verschonte wie mich bestünde ausserdem die grosse Chance, das, was einem gerade auf dem Magen liegt (mir dieses, Dir jenes), für einmal etwas weniger ernst zu nehmen und es so leichter und dadurch leichter erträglich zu machen. Einfach deshalb, weil man bekanntlich selten die Umstände, in denen man sich gerade befindet, aber praktisch immer seine Einstellung dazu selber bestimmen kann.
Oder man könnte, wenn man wollte, sich ab und zu ein wenig über die intakten Sinne freuen, mit denen man diese Welt und seinen Aufenthalt darin wahrnehmen darf. Im Grunde genommen wären nicht nur die Sinne, sondern jedes einzelne unversehrte Glied ab und zu einen Funken Dankbarkeit wert. Eine kleine Individualfeier. Du mein liebes, liebes linkes Knie! (zwanzig Sekunden streicheln). Ich gratuliere Dir zu dieser Beugung. Die hätt’ ich nie so hingekriegt.
Oder man könnte sagen: Es stinkt hier wieder gewaltig – wenigstens rieche ich noch. Die üblichen Passanten im unterirdischen Teil des Bahnhof sehen auch dieses Jahr nicht weniger trostlos aus. Wahrscheinlich deshalb, weil sie gar keine Passanten sind, sondern endlos oder bis zur nächsten Razzia hier unten herumhängen müssen. Wenn sie irgendwo hin könnten, wo es sich lohnte zu sein: ich bin sicher, sie wären schon dort. Ein unverdientes Wunder, dass ich auf zwei gesunden Beinen an ihnen vorbei gehen kann. Vorbei und die Treppe hoch in die Oberwelt, an die frische Luft.
Pass bloss auf, Scheisskälte – ich hab Dich auf der Haut! Ich werd es als erster merken, wenn es wieder wärmer wird.
Hey, ja Sie meine ich! Das hier ist meine Hand – eines der Wunderwerke der Natur bezüglich Koordination und Präzision. Mal schütteln?
Man könnte wirklich mal anders. Versuchsweise. Sich selbst zuliebe. Zur Abwechslung. Als kleine Testserie. Zur Feier des neuen Jahres. Ein neuer Ansatz anstelle eines alten Vorsatzes. Wenn nur ein Tag so gelänge, wäre ein Tag gelungen. Der hundertste Anrufer erhält einen Klaps auf die Stirn.
Wahrscheinlicher aber ist, wie die Erfahrung lehrt, dass alles so weitergeht wie bisher. Dass ich so weitergehe wie die vergangenen 30 Jahre. Die kommenden 359 Tage. Rumfurzel, Rumfurzel – Lass Deinen Frust herunter!
Sollen uns doch in Ruhe lassen, die Philosophen. So schön möchten wir es auch einmal haben – zuhause sitzen oder in einer gemütlichen Bibliothek, von naiven Erstsemestrigen angehimmelt, und über die Einstellung zum Leben  schwafeln, während sich andere Leute den Arsch aufreissen und gleichzeitig artig die Backen zusammenpressen (ein anderes Wunder der Natur). Das Leben ist so, wie es ist. Jedenfalls unseres. Einstellung hin oder her. Diesen kümmerlichen Rest Tragik lassen wir uns nicht auch noch nehmen. Unsere Trübsal ist in Jahrzehnten gewachsen. Sie lässt sich nicht einfach wegblasen. Und wer braucht schon zweihundert Paar Hosen.

Andererseits

25. November 2003

Und auf der anderen Seite (des Atlantiks) kann einer Lula heissen und wird eines Tages Präsident eines riesigen Landes. Mit riesigen Regenwäldern, einer riesigen Verschuldung, aber auch zu riesiger Lebensfreude und Ausgelassenheit im Stande – eben nicht im Stande sondern im Tanz – auf den Strassen, tagelang, nächtelang, die ganze Bevölkerung auf den rhythmischen, nimmermüden Beinen, und danach kann keine und keiner mehr stehen, aber das kümmert sie nicht, diese Bevölkerung, das danach. Nach dem Karneval ist vor dem Karneval. Do brasil.

Einerseits ist es uns angenehm, dass hier alles funktioniert, in der Regel. Auch wenn sich die Ausnahmen häufen. Da habe ich letztlich um ein Haar den Schnellzug nach Bern verpasst, weil mein Vorortszug bummelte. Einer hinter mir in den Zug hechtenden Passagierin hat es die Tasche in der Zugtüre eingeklemmt und der Schaffner hat sie auch noch angeschnauzt. Worauf ich den Schaffner anschnauzte, er soll bitte die Dame nicht anschnauzen und besser dafür sorgen, dass die Vorortzüge pünktlich eintreffen und die Anschlüsse gewährleistet sind. Und dann belehrt er mich auch noch über Anschlussregeln (wer auf wen warten muss, unter den Zügen, und wer nicht) und Laub auf den Schienen und sicherheitbedingtes Langsamfahren und unmögliche Beschleunigungen bei besonderen Verhältnissen, und den gewaltigen Sturm von gestern. Wo waren Sie, so dieses Wochenende? Fragt er mich. Nichts mitgekriegt?
Doch, denke ich, mein Fensterladen hat einmal gerattert dieses Wochenende. Der Mann hat Recht. Aber kann er auch tanzen? War er schon in Rio am Karneval, dieser uniformierte Lulatsch, der alles so vernünftig erklären kann, dass man ihm gar nicht mehr grollt?
Und ist er sich bewusst, dass wegen ihm und mir und der Frau mit der eingeklemmten Tasche und ein paar anderen Typen in der 1. und 2. Klasse (vor allem in der ersten, aber ein Zweitklassfahrschein ist kein Persilschein) die Regenwälder abgeholzt werden in Brasilien? In rasender Geschwindigkeit. Von Karneval zu Karneval werden soviele Hektaren abgeholzt, dass es auf einen verspäteten Zug und eine beinahe verpasste Sitzung in Bern wirklich nicht ankommt.
Worüber hätten wir wahrscheinlich geredet, wenn es eine Sitzung gegeben hätte, die wir jetzt nicht verpasst haben? Über den Sinn von Reisen in Länder mit Problemen, die so gross sind, dass sie uns auch betreffen? Auch der Umweltexperte verbrennt bei einem Transatlantikflug an einen Umweltgipfel in Rio soviel Energie (und zwar nicht erneuerbare), wie eine Familie in Afrika ein ganzes Jahr zum Leben benötigt. Nicht nur der Badegast, der einmal in seinem miesen kleinen Leben die Copa Cabana sehen will. All die gebräunten, knackigen Ärsche. Versteht man doch.

Einerseits sind wir dafür. Für pünktliche Züge, weiche Polster in der 1. Klasse, gutes Essen, anständige Musik aus einer schockresistenten Stereoanlage und das Recht auf Urlaub an einem sonnigen Strand, wie es in der Charta der Ausgelaugten verbrieft ist. Schliesslich arbeiten wir hart dafür. Rackern uns ab, tagtäglich, jahrein, jahraus. Alles was Recht ist.
Andererseits hat man es schwer hier mit sich und den andern. Alle sind schnell gereizt und die Sommer sind kurz. Ob ich einen Gipfel will zum Kaffee, fragt mich der farbige Mann mit der Minibar (im Oberdeck bedient sie jetzt die Railbar), und ich klaube einen Laugengipfel aus dem Sack, den er mir hinhält, reiche ihm einen Fünfliber und sage, gut so, der Rest ist für Sie. Er hat ein Lächeln drauf, das er nicht aufsetzen muss. Nicht für mich, nicht für irgendjemanden. Strahlt irgendwie von Innen heraus, ganz für sich. „Erster Fahrgast – bester Fahrgast“ sagt er noch. Dann rollt er weiter. Tanzt in Fahrtrichtung davon. Ich blicke nach hinten über meine müde Schulter (es ist fünf Uhr sechsundzwanzig, grosser Gott, und Montag noch dazu), um nachzuschauen, ob ich wirklich der erste Fahrgast bin, den er bedient hat. Tatsächlich. Hinter mir nur noch drei Geschäftsleute, in die Börsenkurse vertieft.
So schnell er auch fährt, dieser Zug, geht es mir durch den Kopf – so schnell er auch fährt, er holt ihn nicht ein, den fröhlichen Mann mit der rollenden Bar. Nie holen wir den ein. Der ist uns abgefahren. Wir sind die Bedienten.

Lassie war verschiedene Hunde

25. Oktober 2003

Lassie war verschiedene Hunde. Heute lassen wir früher nichts mehr so, wie es uns damals zu sein schien. Im Nachhinein finden wir heraus, dass alles gefälscht war, gedoubelt, immitiert. Die Echtheit der Dinge – ein altmodischer Anspruch. Etwas für kurzsichtige Antiquitätenhändler und engstirnige Diamantenprüfer.
Wichtig ist, dass etwas abgehalten wird, dass  es aufgeführt wird.
Die Gegenwart findet heute so statt. Die Zukunft schon lange. Wie vermessen, zu denken, die Vergangenheit   gerade sie, die Hure unserer Nostalgie    hätte auf andere Weise stattgefunden.

Vielleicht gab es einmal eine Zeit, als man Duplikate und Fälschungen noch besser von den Originalen unterscheiden konnte. Aber die Originale waren schon damals in der Minderzahl. Sie benahmen sich unauffällig, blieben im Hintergrund, in den gemalten Kulissen, an denen Cary Grant und Doris Day mit einem Auto vorbeifuhren, das auf einem schwankenden Block stand. Sie verhielten sich wie Kopien, um nicht entdeckt und nachgeäfft zu werden.

Lassie war verschiedene Hunde. Mindestens vier. Der eine beherrschte diesen Trick, der andere den anderen. Das Original existierte nur in unseren Kinderköpfen, als wir gebannt vor dem Fernseher sassen und unsere schwarz weisse Lassie bei ihren Abenteuern begleiteten.
Lassie war dieser fabelhafte Hund. Lassie war einmalig.
Und heute? Heute ist uns allen alles klar: Lassie war verschiedene Hunde. Der eine konnte Türfallen hinunterdrücken mit der Pfote, der andere Telefonhörer abheben und eine Verbindung nach Winslow, Arizona, herstellen, wo er jeweils einen Mr. Smith verlangte. Der dritte konnte schauspielende Kinder retten, die so taten, als würden sie gerade ertrinken. die später schwimmen lernten. Und so weiter. Und so fort. Weit fort.

Lassie war verschiedene Hunde. Fury war ein Reitstall. Flipper war eine Herde Delphine. So what?
Es hat Spass gemacht, damals. Es war alles so wunderbar gefälscht. Es war so perfekt gemacht, dass die Fälschungen und Illusionen eine Realität erreichten, von der die heutigen Originale in den Drehpausen träumen.